Annette Vorwerk-Behrend: Mein persönliches Statement

Vorab für alle Hard-Facts- Fans, hier meine Vita...

Mein persönliches Statement:
Beratung ist ein personennahes (persönliches) Geschäft. Vertrauen in die Person und in die Kompetenz und Integrität des Beraters gehören für erfolgreiche Beratung zu den erfolgskritischen Faktoren. Sicher wollen Sie  bei Beraterbedarf nicht „die Katze im Sack kaufen“. Deshalb ist es für Sie zweifelsohne hilfreich, etwas mehr über „Ihren“ Berater zu erfahren, nicht nur die übliche Vita (die gibt’s hier –Link), sondern auch etwas mehr „Persönlichkeit“.

Meine frühen Jahre… oder: eigentlich wollte ich Tänzerin werden

Damit wir das vorab gleich klären, nicht Tänzerin - wie meine Lehrerinnen  in einer stark konfessionell gefärbten Schule meinten- auf St. Pauli, sondern Balletttänzerin. Von meinen Eltern lernte ich sehr früh, dass ich für mich selbst und mein Leben Verantwortung trage, dass ich das schon alleine hinbekommen müsse. Darin setzten sie ihr Vertrauen, Hilfestellung im Notfall natürlich nicht ausgeschlossen. Diese Einstellung war für mich keinesfalls bequem.  Vor allem bezogen auf meinen frühen Wunsch, mich dem Tanzen zu widmen. Nicht irgendwie  als kleines Hobby, sondern mit Haut und Haaren klassisches Ballett und Modern Dance zu erlernen. Die folgenden langen Jahre  intensiver Ballettausbildung prägten meine Jugend und haben sehr deutliche Spuren in meiner persönlichen Entwicklung hinterlassen.

Wenn man gut tanzen möchte muss man sich dieser Sache ganz widmen. Das bedeutete auch, andere Dinge freiwillig unterzuordnen und selbst Verantwortung für das Gelingen zu übernehmen- nicht nur das eigene sondern das der Gruppe. Um kontinuierlich besser zu werden waren harte Disziplin, Hartnäckigkeit und ein Grundvertrauen in die eigenen Fähigkeiten gefragt. Das wurde aber aufgewogen durch die Leidenschaft und Freude an Musik und Bewegung.

Eine Vernunftentscheidung führt zu einer neuen Ausrichtung

Meine Familie hoffte indessen, irgendwann werde das Mädchen doch noch vernünftig und orientiere sich hin zu  einer klassischen Berufsausbildung. Leider behielten sie recht. Mit der Zeit erkannte ich, dass neben Wollen und Können  auch die berufliche Perspektive stimmen musste.  Dieser schmerzlichen Erkenntnis folgte eine komplette Neuorientierung. Ich nahm ein Studium der BWL und Psychologie auf. Überraschend war für mich, dass solch ein Studium nicht staubtrocken sein muss, wenn man Glück mit den Professoren hat- und wenn das Thema und die eigene Motivation stimmen. Kurz: ich fand für mich eine neue passende Perspektive rund um die Themen Führung, Personalarbeit und Menschen in Organisationen.

Die Praxis in der Unternehmenswelt

Mein Einstieg in die Unternehmenswelt begann mit einem „Kulturschock“. Jetzt komme es darauf an, sich tatkräftig einzusetzen und voll einzubringen. Doch ich stieß damit völlig erstaunt an imaginäre Grenzen. Man kommentierte das so: „Ihr Engagement ist zwar prima, aber sie sollten keine Dinge tun, die nicht in Ihrer Stellenbeschreibung stehen“. Zweifel kamen auf, ob ich im richtigen Unternehmen gelandet sei, aber ich blieb hartnäckig und ließ mich vom Querdenken, Mitgestalten und Einmischen nicht abbringen. Andere hätten nach kurzen Zeit das Unternehmen frustriert verlassen. Ich  übernahm nach kurzer Zeit  meine erste Führungsaufgabe als Abteilungsleiterin (Als wenn meine Vorgesetzten gemeint hätten: wenn sie sich schon überall einmischt, dann soll sie auch dafür die eigene Verantwortung übernehmen). Und plötzlich bin ich Führungskraft- das war der nächste Kulturschock für mich und vor allem für meine Mitarbeiter. Mit 28 Jahren leitete ich ein Team mit 8 Mitarbeitern, die alle deutlich älter waren, alte Hasen mit intensiver Branchen- und Berufserfahrung. Und sie mussten sich mit  ihrer ersten „Chefin“ arrangieren. Schnell erkannte ich, dass man Führung eigentlich erst richtig on the job lernte. Das hieß auch zu lernen, mit den eigenen ersten Unsicherheiten umzugehen, sich nicht unterkriegen zu lassen. Mit der Zeit merkte ich, dass Führen mir richtig Spaß brachte. Und so stellte sich die nächste Herausforderung nicht allzu viel später, nach nur 3 Jahren übernahm ich die Bereichsleiterfunktion Personalmanagement. Hier ging es gleich darum mit 30 Mitarbeitern  Personalmarketing, Personalentwicklung und Organisationsentwicklung  grundlegend neu aufzubauen. Mit Leidenschaft für die Sache und die Menschen widmete ich mich diesen Aufgaben. Die Führungserfahrungen, die ich in dieser Zeit sammelte, zeigten mir, dass Vertrauen in die Fähigkeit und Bereitschaft der Mitarbeiter wichtig war, ebenso zu fördern und zu fordern, Freiräume geben und Grenzen ziehen sowie angemessener Umgang mit Anerkennung und Kritik. Eine weitere wichtige Erkenntnis war, dass man das Thema Macht nicht tabuisieren darf, dass es auf angemessenen Umgang mit ihr ankommt, wenn man für das Unternehmen und die Menschen Dinge bewegen will.

Wenn ich heute als Coach mit Führungskräften zu tun habe, die mit ihrer Führungsrolle hadern, denke ich daran zurück, wie wichtig es war, die Rolle als Führungskraft ganz anzunehmen. Das betrifft eben nicht nur das Entscheiden und Gestalten, sondern auch die unangenehmen Aufgaben und die Dilemmata. Deshalb frage ich als Coach dann  intensiv nach, wenn jemand Führungskraft sein will: „Was gewinnen Sie dadurch, worauf müssen Sie verzichten und welche schwierigen Aspekte müssen Sie zwangsläufig mit der Führungsfunktion mit einkaufen?“ Nur mit diesem realistischen Blick  auf Führung bekommt man den Kopf wirklich frei, um andere zu führen.

Mit der gesellschaftlichen Wende in Deutschland kam auch für mich die nächste –berufliche- Wende. Gemeinsam mit einigen anderen Führungskräften  konnte ich in Mecklenburg-Vorpommern eine neue Gesellschaft aufbauen. Es ging darum, aus  4 ehemaligen Energiekombinaten, die unser Unternehmen übernommen hatte, eine funktionierende Tochtergesellschaft aufzubauen. Das war Organisationsentwicklung oder Change Management Life. Neben uns Führungskräften kamen etwa 20 Trainees und Jung-Mitarbeiter zur Unterstützung mit und die Devise war: „Das schaffen wir trotz aller technischen organisatorischen und sonstigen –massiven- Schwierigkeiten“. Das gemeinsame Ziel gab die Kraft und den Elan, Kreativität und pragmatische Lösung der Probleme waren Tagesgeschäft. Und neben all dem fanden wir trotz aller „Ost-West- Vorurteile auf der menschlichen Ebene zueinander. Aber es gab auch die kritischen Erfahrungen. Mutter-Tochter-Konzernkonflikte wegen notwendiger Missachtung der Organisationsrichtlinie XYZ u.ä. prägten die Zeit leider auch und gaben schließlich Anlass, dass ich mich nach neuen Herausforderungen umsah.
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Angekommen in der Beraterwelt  

Die Selbständigkeit mit der Gründung unserer ersten Beratungsgesellschaft, der LBD-Hamburg Unternehmensberatung GmbH eröffnete uns  der Weg unsere Erfahrungen aus großen Unternehmen, aus der Pionierzeit nach der Wiedervereinigung und unsere Führungserfahrungen an den Mann bzw. ans Unternehmen zu bringen. Das war die Basis und der Rest war LBD, heißt learning by doing, was unserer Grundüberzeugung entsprach- auch für unsere Kunden: Es ging und geht uns nicht um Ablieferung glänzend gedruckt und gebundener Konzepte oder Gutachten, man muss die Aufgaben, Probleme, Veränderungen anpacken und dabei lernen, mit ihnen umzugehen. 2003 folgte dann die zweite Unternehmensgründung. Gemeinsam mit unseren heutigen Partnern gründeten wir HBC, das Hamburger BeraterContor.
In all diesen Jahren haben mich Fragen „rund um den Menschen“, um Führung und rund um Change Management weiter fasziniert und intensiv gefordert. Auch der Rollenwechsel von der Führungs- in die externe Beratungsfunktion brachte neue Perspektiven mit einer großen Vielfalt  mit sich. Wir agieren als Prozess- und Fachberater, sind Ermunterer und Impulsgeber, geben Hilfe zur Selbsthilfe, beraten  und müssen/dürfen manchmal auch „Hofnarr“ oder besser „advocatus diaboli“ sein. Diese Vielfalt macht Freude und hilft über das gelegentlich hochkommende Mangelgefühl hinweg- nicht mehr als Führungskraft /Unternehmer selbst agieren und entscheiden zu können- die Dinge selbst unmittelbar zu bewegen. Na ja, man kann eben nicht alles haben, aber auch als Beraterin, als Coach bleibe ich trotzdem nah am Thema dran. Und ich berate, auch wenn das manchmal nicht unbedingt bequem ist, für mich und die Beratenen.

Und wenn Sie wirklich nur die hard facts interessieren- hier isind sie komprimiert in meiner Vita

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