Coaching – der richtige Weg zur „Besserung“?
Dass Coaching „boomt“, hat vor kurzem die Wirtschaftswoche in einem zweiteiligen Report vermeldet.
Ihr Resumée: Längst hat sich diese Form der Managementberatung vom „Nachhilfeunterricht für Manager mit Macken“ zum Privileg der Macher und Potenzialträger gemausert. Beinahe jeder zweite Manager will sich nach den Recherchen des Magazins in den nächsten 12 Monaten coachen lassen – vor allem in den Bereichen Führung, Konfliktlösung und Persönlichkeitsentwicklung. Ähnlich groß ist der Anteil, der in den letzten 5 Jahren damit bereits Erfahrungen gemacht hat und das positive Image von Coaching aktiv vorantreibt. Wir haben für Sie aus den beiden Veröffentlichungen einige Informationen ausgewählt, sie kurz und knapp zusammengefasst und ein wenig kommentiert.
Wenn Sie die Original-Artikel der WiWo lesen möchten:
Hier die Kernaussagen:
- Noch sind es meistens die Unternehmen, die anrufen, weil sie ihre Führungskräfte coachen lassen möchten. Und meistens nach dem Motto: „Du bist es uns wert.“ –
Wir von HBC erhalten ebenfalls die meisten Anfragen aus den Unternehmen selbst. Personalabteilungen oder Vorgesetzte, die uns in ähnlichen oder anderem Zusammenhang kennen gelernt habe, legen uns nun einen Mitarbeiter ans Herz. Fragen Sie doch mal in Ihrem Unternehmen nach, ob es dort einen „Coach-Pool“ mit guten Empfehlungen gibt, wenn Sie einen Coach suchen. Ob die Empfehlung zum Coaching dem angehenden Klienten dann auch so wertschätzend vermittelt werden konnte, wie die WiWo es sagt, scheint uns doch recht unterschiedlich zu sein. Schließlich geht es um einen persönlichen Entwicklungsprozess. Immer ein sensibles Thema. Da die richtigen Worte zu finden, fällt manchem Vorgesetzten nicht so leicht.
- Laut WiWo entscheiden sich auch viele Selbstzahler, in Coaching zu investieren. Ihre Werterwartung entspricht dem Gebot der Stunde: immer mehr aus sich herausholen, immer besser im ständig wachsenden Wettbewerb mithalten können. –
Dies ist eine Entwicklung, die uns von HBC durchaus manchmal Bauchschmerzen bereitet. Wo ist das Ende der Fahnenstange, wo beginnt die totale Selbstausbeutung? Als Coach muss man hier im Extremfall die Reißleine ziehen und dem Coachee auf einen selbst-verträglichen Weg helfen. Dazu gehört nicht selten, solche Themen gemeinsam zu bearbeiten wie: „Wie sage ich konstruktiv NEIN?“, „Wie kann ich Einfluss nehmen nach oben?“. So mancher Coachee stellt für sich dann in der Praxis erstaunt fest, dass ihm dieses Verhalten nicht als Querulantentum oder persönliche Schwäche ausgelegt wird – und sogar positiv auf seine Karriere wirkt.
- Anliegen für Coaching werden häufig ganz konkret geäußert: so kommen Aufsteiger z.B. mit den Intrigen und Machtkämpfen der Beletage nicht zurecht, Branchenwechsler können sich nicht so schnell wie erwartet auf die neue kulturelle Umgebung einstellen. Doch für drei Viertel der Manager geht es hauptsächlich um eines: per Coaching ihre soziale und emotionale Kompetenz zu erhöhen. – Soweit die WiWo.
Und wir erleben In unseren Coachings immer wieder, wie wenig es manchmal braucht, um aus seiner eigenen, eingefahrenen Schiene rauszukommen. Wer lernt, sich im geschützten Umfeld des Coachings in ein Gegenüber hineinzuversetzen, dem fällt es bald nicht mehr schwer, dies auch im beruflichen Umfeld zu tun. „Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, dass der das anders sehen könnte, als ich!“ ist manchmal der erste Schritt zur Erkenntnis. Der zweite ist dann, dem Perspektivwechsel einen Verhaltenswechsel folgen zu lassen. Das im Alltag durchzuhalten braucht ein wenig mehr Übung – und einen Coach, der beim Klienten auf Authentizität achtet, statt diesen nach dem Strich bürsten zu wollen.
Die WiWo hat recht, wenn sie schreibt, nicht alles lasse sich coachen. Persönliche Führungsthemen und Sinnkrisen ja, globale Jobkrisen eher nicht, schwere psychische Störungen keinesfalls. –
Dem können wir nur zustimmen. Leider gibt es aber schwammige Übergänge. Für den einen reicht es, sich mit tief sitzenden inneren Antreibern geduldig auseinander zu setzen, die immer wieder für gleiche unliebsame Muster im eigenen Verhalten, Denken und Fühlen sorgen. Nach und nach vermögen sie, sich von alten Glaubenssätzen und Überzeugungen erfolgreich zu lösen und ihr Verhalten anzupassen. Bei anderen reicht das eben nicht, denn sie haben zu tief verinnerlicht, was vielleicht einmal passte. Sie erkennen aber nicht, dass genau dies heute hauptsächlich hinderlich ist. Hier ist die Verantwortung des Coaches, genau das zu benennen und den Klienten zu unterstützen, den für ihn richtigen Weg zu finden. Zum Beispiel eine Therapie in Erwägung zu ziehen. (Und die gibt es vielleicht auf Krankenschein.)
- Die wichtigsten Rollen des Coachs sind die des Feedbackgebers, Klärungshelfers, Impulsgebers, Prozessexperten. Manche Coaches verbinden dabei diesen Ansatz mit Beratung und praxisorientiertem Training. –
Was die WiWo als Sonderfall darstellt ist bei uns eher die Regel: nicht nur Fragen sondern auch Sagen! Der Coach ist auch Sparringspartner und Ideengeber. Dabei ist eigene Management-Erfahrung natürlich hilfreich. Und wenn wir die Fülle an guten Ideen, hilfreichen Erfahrungen und erfolgreichen Konfliktlösungen vor Augen haben, die wir z.B. in den kollegialen Beratungsanteilen unserer Führungsseminare erleben, fällt es manches Mal wirklich schwer, als Coach immer lösungsabstinent zu sein. Flexibilität im Rollenwechsel, wenn mit dem Coachee verabredet, kann somit durchaus bereichernd sein. Doch auch hier gilt unverrückbar: es darf im Coaching keine fertigen Lösungen geben – aber Anregungen zum Nachdenken…
- Coaching wird vom Staat begünstigt. Beauftragende Unternehmen können die Kosten voll steuerlich absetzen. Aber auch der selbst zahlende Manager kann sie als Fortbildungskosten geltend machen – zu 100%. –
Dem möchten wir nichts hinzufügen.
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