Was leisten Leitbilder in der Krise?
Leitbild –warum jetzt, warum überhaupt? Das werden sich kritische Leser fragen. Schon wieder Zeit und Geld investieren und gibt es zurzeit nicht wirklich wichtigere Dinge im Unternehmen zu tun? Und dennoch beobachten wir, dass in zahlreichen Häusern der Versuch unternommen wird, vorhandene Leitbilder „wieder zu beleben“, was häufig auf neue und veränderte „Entwürfe“ hinausläuft. Stärker als früher achtet man jetzt auch auf die Verknüpfung zu den Geschäftsstrategien.
Doch zurück zur Ausgangsfrage: wenn ein Leitbild gemeint ist, das allen Mitarbeitern Orientierung geben soll, Konkretes über gewünschte Werte für die Zukunft aussagt und für das Unternehmen die strategische Linie in die Zukunft aufzeigt, dann muss man „Leitbild jetzt!“ antworten. Und zwar aus mehreren Gründen, die nicht zufällig miteinander zu tun haben. Wir möchten das einmal kurz skizzieren, verweisen im Übrigen gerne ergänzend auf frühere Beiträge auf unserer Website.
1. Orientierung: Ein Leitbild zeigt die Ziele und den Weg auf, wohin das Unternehmen gehen will, warum sich alle mühen und welche wirtschaftlichen Erfolge erstrebt werden. Zugleich setzt das Leitbild die Eckpfosten für die innere Funktionalität des Unternehmens- wie wird bzw. soll geführt werden, wie soll Zusammenarbeit funktionieren, wie spricht man miteinander und mit Dritten? Damit werden gültige Maßstäbe definiert, an denen Mitarbeiter ihr Handeln und ihre Arbeit messen können. Und das ist heute wichtiger denn je. Mit der Globalisierung und der Wirtschaftskrise hat sich der Blickwinkel der Mitarbeiter in vielen Dingen grundlegend geändert. Vielen ist heute nicht mehr egal, womit und wie ihr Unternehmen und damit auch sie selbst ihr Geld verdienen. Globale Probleme –Klimawandel, Wachstumsgrenzen, Welthunger, Arbeitslosigkeit haben das Bewusstsein geschärft. Konflikte zwischen privatwirtschaftlich unternehmerischem Gewinnstreben und gesamtwirtschaftlichen Folgen oder sozialer Verantwortung werden deutlicher wahrgenommen. Mitarbeiter und Führungskräfte legen zunehmend Wert auf ein „Positives Arbeitsumfeld“, in dem Gewinnstreben nicht um jeden Preis stattfindet sondern in gesellschaftlich und sozial verantwortlicher Weise.
Wir berichteten hierüber bereits in unseren Beiträgen:
- Die Epoche des sozialen Unternehmertums
- Businessmoral- das neue Erfolgsrezept?
- Corporate Social responsibility- nur ein schlechtes Gewissen
Diesen veränderten Erwartungen müssen Leitbilder entsprechen, sollen sie wirksam die gewünschte Unternehmenskultur mitgestalten.
2. Motivation: Wird die eigene Tätigkeit, das eigene tägliche Arbeitsumfeld in einem Orientierungsrahmen erlebt, der für den Einzelnen Sinn stiftet, dann vermögen sich die Beteiligten mit dem Haus und seinen Zielen zu identifizieren. Sie sind vom Nutzen ihres Tuns voll überzeugt und leben in und mit ihrem Unternehmen in Einklang. Das ist nach allen psychologischen Untersuchungen ein enormer Motivationsfaktor und Leistungsansporn und bewirkt zugleich eine hohe Zufriedenheit. Lesen Sie hierzu auch unseren Beitrag: Fokus Motivation: Wodurch Mitarbeiter zu einem erwünschten Verhalten veranlasst werden
3. Strategische Ausrichtung: So wie die KPMG in ihrem 2.Bericht „Entschlossen handeln- Erfolgreich aus der Krise“ schreibt, geht es jetzt darum, die Chancen zu nutzen und neu durchzustarten. Es gilt sich zu stabilisieren und/ oder aus der Krise heraus am Markt eine neue, auch bessere Position zu erringen. Strategische Konsequenzen sind zu ziehen, sich neu aufzustellen, zu restrukturieren oder entscheidende Zukunftsinvestitionen zu tätigen. Wenn KPMG in diesem Zusammenhang davon spricht, sich auf die Schaffung neuer Werte zu konzentrieren, dann sind Zukunftsinvestitionen und neue Werte eher materiell gemeint. Wir sagen, dass es um mehr geht, insbesondere um eine Investition in das Humankapital, wobei Führung ein immer größeres Gewicht erhält.
So erleben wir im Sparkassensektor mit der neu formulierten Geschäftsstrategie 2020 eine zunehmende Betonung „kultureller“ Qualitätsmerkmale wie Werteorientierung, Führungsqualität oder Kundenorientierung mit Verantwortung. Der DSGV sieht Qualitätsführerschaft und damit verbundene Leistungskriterien nicht „eindimensional“ wertorientiert (im Sinne von ertragsorientiert) sondern gleichrangig auch mit Blick auf eine werteorientierte kulturelle Ausrichtung und soziale Verantwortung. Und so muss die strategische Fokussierung neben klassischen Kennzahlen (quantitative Aspekte) auch qualitative Aspekte berücksichtigen und definieren. Qualität und Wettbewerbsfähigkeit der Sparkassen definieren sich zukünftig auch über „die richtige“ Unternehmenskultur, Führungsfähigkeit, Mitarbeiterorientierung und gesellschaftliche Verantwortung. Das ist für viele noch ungewohnt, stellt es doch Qualitätsfaktoren in den Fokus, die bei der Ertragsorientierung früher eine geringere Rolle spielten. Will man wirklich erfolgreich die neue Geschäftsstrategie umsetze, braucht es ein Leitbild, dass die Umsetzung unterstützt und nicht behindert. Und dazu beiträgt, auf dem Wege vieler einzelner Umsetzungsschritte die gewünschte Unternehmenskultur der Zukunft herauszubilden.
B. Behrend
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