Ist die Epoche sozialen Unternehmertums angebrochen?
Unter dem Titel „Die Moral-Macher“ berichtet das Magazin Focus in seiner letzten Ausgabe (Nr. 46 vom 9.11.2009) über eine angeblich neue Entwicklung – eine neue Manager-Elite.
Danach hört es sich so an, als ob die sog. Toughies, also die harten Knochen unter den Managern, die Kosten senken, Mitarbeiter feuern und Lieferanten die Daumenschrauben anlegen aus der Mode kommen.
Der kategorische Imperativ der globalen Wirtschaftselite – Wachstum- sei in Folge der Finanzkrise „aus der Mode gekommen“. Die heutigen Wirtschaftslenker, auf Durchsetzung getrimmt, mit einem bis an die Grenzen des Größenwahns aufgeblähten Selbstbewusstsein- samt und sonders Machiavellisten und Narzissten- hätten inzwischen nach einer repräsentativen Umfrage im Auftrag von Focus bei der Mehrzahl der Deutschen das Vertrauen verloren. 56 % von 1000 Befragten meinten, die deutschen Manager seien nicht (mehr) in der Lage, die Unternehmen aus der Finanz- und Wirtschaftskrise zu führen.
Und so werden als Beleg für die im neuen Trend liegenden werteorientierten Managertypen beispielhafte Entwicklungen, Verhalten und Einstellungen aufgezeigt:
- So der Präsident und Absolventen der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen. Wer dort in Wirtschaft, Kultur oder Politik studiere, bekomme das was den heutigen Wirtschaftsbosse so bitter fehle, nämlich eine ganzheitliche Bildung und nicht nur das Know How für das Aufstellen von Business-Plänen und Costcutting- Programmen. So zählen beispielsweise die Absolventen des Kulturmanagement-Studiums nicht auf den Sieg des Ego sondern den Erfolg des Teams, nicht auf Rendite sondern auf Nachhaltigkeit der gewählten Strategie, nicht auf Shareholder Value sondern auf Verantwortung, Gemeinsinn und Moral („soziales Unternehmertum“)
- Andere Beispiele aus Unternehmen werden als Beleg für einen grundlegenden Wandel im ökonomischen Denken angeführt, wo im Sinne einer Nachhaltigkeit zukunftsorientiertes Wirtschaften mit sozialem Handeln und Umweltbewusstsein verbunden seien. Oder wo das Streben nach kurzfristiger Gewinnmaximierung ein Ende gefunden habe und nicht mehr nur nach wirtschaftlicher Leistung vergütet werde, sondern etwa auch nach sozialem teamorientiertem Verhalten
Ob denn damit nun schon die Epoche der sozialen Verantwortung angebrochen sei und Unternehmertum umfassend nur noch als „sozial“ verstanden werden kann, das muss dennoch bezweifelt werden. Trotzdem kann man den Focus-Bericht nicht absprechen, dass der Trend zur Corporate Social Responsibility (CSR) nicht nur verstärkt in der öffentlichen Diskussion wahrgenommen wird sondern dass –insbesondere bei jüngeren Managern- auch verstärkt ein solches unternehmerisches Handeln eingefordert wird.
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